Wie der Bestätigungsfehler (Confirmation Bias) unser Zuhören verfälscht und wie wir ihm entgegenwirken können.
Der Confirmation Bias – auf Deutsch Bestätigungsfehler – ist eine der am besten erforschten kognitiven Verzerrungen. Er bewirkt, dass wir Informationen bevorzugt wahrnehmen und erinnern, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen. Widersprechende Informationen werden unbewusst abgewertet, überhört oder uminterpretiert. Beim Zuhören ist dieser Effekt besonders tückisch, weil er weitgehend unbewusst abläuft.
Im Kontext des HaTeCo-Modells betrifft der Confirmation Bias vor allem die Codierungs-Ebene: Wir decodieren das Gehörte nicht neutral, sondern durch den Filter unserer Vorannahmen. Ein Beispiel aus der Führungspraxis: Eine Führungskraft ist überzeugt, dass ein bestimmter Mitarbeiter unmotiviert ist. In Gesprächen hört sie selektiv die Aussagen, die dieses Bild bestätigen – und überhört die Hinweise auf Engagement und Eigeninitiative.
Die Folgen des Confirmation Bias beim Zuhören sind weitreichend: In Bewerbungsgesprächen führt er zu voreiligen Entscheidungen, in Kundengesprächen zu falschen Bedarfsanalysen, in Teamkonflikten zur Verhärtung von Positionen. Überall dort, wo wir schon eine Meinung haben, bevor das Gespräch beginnt, ist der Bestätigungsfehler aktiv.
Gegenmittel gibt es: Stellen Sie sich vor jedem wichtigen Gespräch die Frage: „Was erwarte ich zu hören – und was wäre ich überrascht zu hören?" Notieren Sie nach dem Gespräch, welche Informationen nicht zu Ihren Erwartungen gepasst haben. Suchen Sie gezielt nach dem Unerwarteten. Und bitten Sie regelmäßig um eine zweite Perspektive. Der Confirmation Bias lässt sich nicht ausschalten, aber durch bewusste Reflexion deutlich abschwächen.